Zambia
Der Grenzübergang von Tunduma nach Nakonde, Zambia, gilt als chaotisch und unübersichtlich. So machten wir uns auf mehrstündige Wartezeiten gefasst. Nach Ankunft am «One Stop Border» unterstützte uns ein Helfer. Immigration war schnell. Nun mussten wir noch die Carbon Tax und Strassengebühren bezahlen. Es gab nirgends einen Schalter. Unsere Helfer füllten Formulare via eine App aus, was dauerte. Bezahlen konnte man nur an einem Bankschalter, der war jedoch geschlossen. Nach 1.5 Stunden waren auch die Banker aktiv und es ging endlich vorwärts. Noch das Carnet korrekt ausfüllen und wir waren erlöst. Ausser der unnötigen Wartezeit beim Bankschalter lief eigentlich alles flüssig ab. Wir hatten es uns deutlich schlimmer vorgestellt. Zukünftig wird alles besser. Die EU hatte 7 Mio. € für einen neuen Grenzposten gespendet. Der Spatenstich wurde feierlich an diesem Morgen zelebriert.
Great North Road
Da war sie nun, die Great North Road. 1100 km von Tunduma nach Lusaka. In den abendlichen Erzählungen am Feuer, als eine der schlechtesten Strassen beschrieben. Von den Rändern her zerfressen sei sie, der Abstand zwischen Fahrbahn und Kiesschulter riesig und erst die Schlaglöcher – episch. Es ging der Spruch: «Die Ohren, die aus einem Schlagloch ragen, könnten die eines Hasen oder einer Giraffe sein! ». Mit der Anzahl genossener Biere wurden die Schlaglöcher übler. So stellten wir uns auf eine beschwerliche und langsame Fahrt ein. Wir kannten das bereits, Zimbabwe und Malawi boten bezüglich Schlaglöchern die volle Palette.
Aber dann war da nichts. Oder besser, die ersten 250 km eine wunderbar neue, kaum befahrene Strasse. Dann 250 km eine ältere jedoch gute Strasse, dann kamen etwa 80 km ein enges, mit Seitenkaries versehenes Stück, aber ganz ok und der Rest bis Lusaka war immer gut.
Im nördlichen Teil gab es nur wenige Dörfer entlang der Strasse. Erst ab Kapiri Mposhi, wo die schwerbeladenen Trucks aus dem Copperbelt auf die GNR stiessen, war eine durchgehende Besiedlung sichtbar. Es wurde viel Holzkohle, Tomaten, Zwiebeln, manchmal Kürbisse und wieder Holzkohle und Tomaten an den Strassenständen angeboten. Der Händler, der Häbi einen kleinen Sack Holzkohle für 50 Kwatchas verkaufte, hatte danach ein Strahlen im Gesicht.
Die Strasse wird vornehmlich von Lkws befahren. Eine Ruhezeitenverordnung wird es kaum geben. Technisch sind die Fahrzeuge auch nicht immer im besten Zustand. So sind leider immer wieder die Überreste von Unfällen zu sehen, als Folge von Unaufmerksamkeit, riskantem Überholen und bergabwärts durch Bremsversagen.
Die erste Übernachtung in Zambia verbrachten wir im Kings Highway Kalungu Restcamp, nicht weit von der Grenze entfernt. Wir entdeckten auf dem Campingplatz diverse emsige Ameisenstrassen. Unser Host meinte, wenn die Ameisen näher zum Fahrzeug kämen, sollen wir sofort wegfahren, da diese ansonsten einen Weg ins Fahrzeug finden würden und die Red Ants seien nicht sehr angenehm. Anscheinend sind die Ameisen auf der Suche nach Wasser.
Kapishya Hot Springs
Von Dean hatten wir den Tipp von den Kapishya Hot Springs erhalten. Da es so oder so auf unserer geplanten Route lag, beschlossen wir dorthin zu fahren und unsere müden Knochen im 37° Grad heissem Quellwasser zu baden. Die Stichstrasse, die von der Great North Road abbog, war mehrheitlich gut befahrbar. Nach 12 km Fahrt durch die abwechslungsreiche, ländliche Region, stiessen wir plötzlich unvermittelt auf ein altenglisches Herrschaftsanwesen, Stewart Gore-Browne, ein einsamer Visionär aus dem britischen Adel, hatte sich 1920 am «See der königlichen Krokodile» niedergelassen und dieses feudale, im zambischen Busch doch seltsam deplatziert wirkende Anwesen geschaffen.
Vom Herrenhaus Shiwa Ngandu führte die Piste weiter durch das Estate zu den 20 km entfernten Kapishya Hotsprings. Die eingefasste Quelle ist Lebensspender für eine tropische Vegetation mit riesigen Raffia Palmen. Bei unserer Ankunft in der idyllischen Lodge mit Stellplätze direkt am Fluss stand ein Schulbus im Weg. Die ganze Schule war auf Ausflug und die Schülerinnen und Schüler hatten «ein paar Aufgaben» zu lösen. Während die Schüler ihre Aufgaben lösten, vergnügten sich die Lehrer im Wasser. Häbi war wieder einmal heiss begehrt, man wollte unbedingt zusammen mit ihm ein Selfie machen.
Die heissen Quellen waren auf jeden Fall ein Genuss. Es tat richtig gut, Erholung pur!
Wieder zurück auf der GNR wurden wir vom Festumzug der 60 Jahr Unabhängigkeitsfeier kurz gestoppt.
Unser Bargeldvorrat ging langsam zu neige, ebenso fehlte uns Brot. Ortschaften mit ATM sind dünn gesät, solche mit funktionierendem ATM eine Seltenheit. Beim ersten ATM wartete Häbi bis der Reboot des ATMs abgeschlossen war, nur um dann doch kein Geld beziehen zu können. Eine Ortschaft später, war der erste ATM «Out of Order», der zweite wiederum am Booten, beim dritten wartete eine lange Kolonne, ein gutes Zeichen, er spuckte Geld. Für Häbi reichte es trotzdem nicht. Am dritten Ort hatten wir endlich Glück und waren wieder liquide.
North Luangwa NP
Den South Luangwa NP hatten wir im Frühling auf dem Weg nach Malawi besucht. Nun wollten wir einen kleinen Abstecher in den nördlichen Park machen. Wir wussten, dass er weniger tierreich ist, aber er lag am Weg. Wir fuhren zum Samala Camp, einem ursprünglichen Bush Camp am Parkeingang. Auch dieses Camp lag an einem munteren Flüsschen, indem es sich herrlich baden liess. Ein wahrer Genuss bei der Hitze.
Beim Brot Kauf waren wir weniger erfolgreich gewesen, deshalb wurde unser neuer Omnia Backofen eingeweiht. Schnell einen Rührteig gemacht, aufgehen lassen, warm genug war es alleweil und dann backen. Das Resultat sah nicht allzu übel aus und schmeckte hervorragend.
Am nächsten Morgen ging es zum Park. Wir lösten ein Dayvisitor Permit und bekamen Tipps, wo die besten Tiersichtungen möglich sind. Die Dame empfahl die Transferstrasse zum Luangwa Fluss zu befahren. Vom Hochplateau ging es in steilen Abstiegen in die Tiefebene. Nach ein paar Kilometern stiessen wir auf ein weiteres Gate. Das Nashornsperrgebiet. Unser Permit wurde überprüft und über Funk nachgefragt, ob es ok sei. Dann ging es weiter. Die Tiefebene war ausgedörrt, zum Teil abgebrannt und nahezu tierlos. Wir sahen zwei Elefanten und ein paar extrem scheue Impalas, die beim Anblick unseres Fahrzeugs sofort die Flucht ergriffen. Tsetse Fliegen gab es massig und ebenso die charakteristischen Fliegenfallen.
Nach etwa drei Stunden wendeten wir und machten uns auf den Rückweg. Als wir nach einer Trockenflussdurchquerung kurz stoppten, kam ein Ranger angefahren und fragte, was wir hier tun. Wir zeigten unser Permit, zu welchem er meinte, es sei hier nicht gültig. Er durchsuchte unser Fahrzeug, fotografierte Pässe und Permit und beschuldigte uns unerlaubt im Sperrgebiet zu sein. Das Gespräch verlief sehr unfreundlich und so waren wir froh, als wir weiterfahren durften. Beim Aufstieg gab es einige steile Rampen zu befahren. Häbi stoppte vor dem steilsten Stück um den Kriechgang einzulegen. Doch nichts ging. Nur blinkende Fehlerlämpchen, kein sattes Klicken, das anzeigte, dass das Getriebe geschaltet hatte und der Motor war abgeregelt. Wir hatten früher schon mal ein ähnliches Problem, als wir den Kriechgang im Flachen eingelegt hatten und dieser nach 300m Fahrt mitten im Hang ebenfalls den Dienst verweigerte. Also bemühten wir die Diffs und kletterten im ersten Gang mit wenig Gas den Hügel hoch.
Mutinondo Wilderness
72 km vor Mpika zweigt die gut ausgeschilderte und zügig befahrbare Waldpiste (offiziell nur Fahrzeuge bis 5t zugelassen) zur Mutinondo Wilderness von der Great North Road ab. Die Piste endet nach 24 km direkt am Mayense Camp des privaten, 10 000 ha grossen Schutzgebiets inmitten einer grandiosen Bergszenerie mit buckligen, kahlen Granitfelsrücken, auch Inselberge genannt, und Wäldern. Sie bilden ein einzigartiges Wanderparadies für Naturliebhaber und das wollten wir uns nicht entgehen lassen.
Grundsätzlich kann mir hier in der idyllischen Abgeschiedenheit frei wandern, die höchsten Kuppen erklimmen, im klaren krokodilfreien Fluss baden, Kanu fahren und Wasserfälle besuchen. Der Anschlag an der Rezeption war nun doch etwas angsteinflössend…
Ohne Guide wanderten wir am nächsten Morgen durch die dürre Landschaft und liessen unsere Blicke immer wieder auf der Suche nach den Löwen schweifen. Die Temperaturen waren bereits früh morgens sehr hoch und die Sonne brannte erbarmungslos. Die Wasserfälle waren schlichtweg nicht vorhanden, da Trockenzeit und auch die Wildtiere zeigten sich nur sehr spärlich. Weit und breit keine Löwen in Sicht!
Unsere Tischnachbarin beim gemeinsamen Abendessen war die Entwicklungsbeauftragte der deutschen Regierung in Zambia. Sie erzählte von ihren Bemühungen die Kinder- und Mutter-Sterblichkeit zu vermindern, den Müttern das Wissen einer gesunden und vielfältigen Kleinkindernährung zu vermitteln, was nicht einfach ist, da primär Mais angepflanzt wird. Die eingesetzten Mittel sind sehr einfach. So werden Personen angeworben, die durchs Land fahren und die Beratungen durchführen. Als Bezahlung bekommen die Berater ein Fahrrad, was in Zambia ein wichtiges Transportmittel ist. Wir diskutierten auch generell die Entwicklungshilfe, dass viel zu wenig Hilfe zur Selbsthilfe, sondern einfach Projekte realisiert werden. Dies führt zu Lethargie in der Bevölkerung. Wieso etwas was tun, wenn es schlechter geht, kommt schon wer. Leider konnten wir dieses Verhalten im dürregeplagten Südmalawi selber beobachten.
Im Mutinondo Wilderness Camp lernten wir Sabine und Markus kennen, die uns die nächsten Tage immer wieder zufällig über den Weg laufen sollten.
Kasanka Nationalpark
Und weiter ging es der GNR entlang in den Kasanka Nationalpark. Er steht seit langem unter privatem Management in Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde und dörflichen Gemeinden. Im Kasanka NP war einst derart gewildert worden, dass viele Tierarten vor der Ausrottung standen. In Privatinitiative wurde daraufhin der Kasanka Trust gegründet und ein Schutzprogramm entwickelt.
Durch die Einnahmen des Tourismus versucht sich der Park selbst zu tragen und die umliegenden Dörfer zu unterstützen. So wurden zwei Schätze der Natur gerettet: Die scheuen, seltenen Sitatunga-Sumpfantilopen und die alljährlich stattfindende, aussergewöhnliche Migration von mehreren Millionen Palmenflughunden mitten im Park.
Wir fuhren zur Wasa Lodge, die direkt am Wasasee mit einigen Hippo Tümpeln liegt, und buchten einen Abendausflug, um die Invasion der Palmenflughunde mitzuerleben. Aus praktischen Gründen fuhren wir nicht zum Pontoon Camp Site, sondern blieben über Nacht auf dem Parkplatz der Lodge stehen.
Unsere Lodge war der Ausgangspunkt für den geplanten Ausflug. Gegen Abend wurden wir mit einem offenen Pirschfahrzeug abgeholt. Wir hatten uns gut eingepackt und vorsorglich mit Anti Insektenspray eingesprüht, denn der Park ist bekannt für seine zahlreichen Tsetse Fliegen. Und ja, wir machten Bekanntschaft mit ihnen, wurden aber glücklicherweise nicht gestochen. Die Fliegen fühlten sich besonders in Dollys Haaren wohl und probierten ebenfalls ihre Ohren zu erkunden, muss wohl am Blondvolumenshampoo (Anti-Grey 😊) gelegen haben. Wir stoppten und liefen in Begleitung eines Rangers mit Gewehr zu dem ca. 1 km entfernten Aussichtsturm und kletterten hinauf.
Bevor man die Palmenflughunde sieht, hört man sie sehr deutlich, ein ähnliches Geräusch wie ein Wasserfall oder ein rauschender Bach. Und dann gleiten sie absolut lautlos über den Betrachter hinweg. Das phänomenale Spektakel, wenn Millionen von Palmenflughunden allabendlich pünktlich um 18:00 Uhr zum Sonnenuntergang in gigantischen Schwärmen (geschätzt ca. 5 Millionen) auf Futtersuche ausfliegen und früh morgens wieder zurückkehren, lässt sich jedes Jahr zwischen Ende Oktober und Ende Dezember beobachten. Es ist ein wirklich beeindruckendes Naturschauspiel, wenn sich der Himmel vor lauter wuselnden Fledertieren verdunkelt. Auf den Bäumen im Hintergrund warteten bereits zahlreiche Geier, die sich eine Beute erhofften, da eine Invasion zwangsläufig auch zu verletzten Palmenflughunden führt.
Nach diesem aussergewöhnlichen Ereignis fuhren wir im Dunkeln wieder zur Lodge zurück. Auch auf der Rückfahrt wurde Dolly von den berüchtigten «von den Bäumen hängenden Rundkäfern» belästigt. Das Shampoo wirkte wohl immer noch. Wir genossen zufrieden ein (käferfreies) leckeres Abendessen in der Wasa Lodge.
Lusaka
Auf dem Weg nach Lusaka legten wir noch einen Zwischenstopp für eine Nacht in der Fika Lodge ein. Am Nachmittag fing es ordentlich an zu regnen und der Regen begleitete uns die ganze Nacht.
Nach einem längeren Schwatz mit Sabine und Markus ging es auf der GNR nach Lusaka. Dieses Mal übernachteten wir nicht in der Pioneer Safari Lodge, sondern auf dem Lukasa Campsite, in Lusakas Westen gelegen. Für uns eine optimale Ausgangslage für die spätere Weiterreise nach Livingstone.
Die Anlage, geführt von einem holländischen Ehepaar, ist in einem ruhigen Vorort von Lusaka gelegen und bietet alles, was man für einen angenehmen Aufenthalt so benötigt. Ist auch ein guter Ausgangspunkt um Einkäufe zu erledigen. Wir fühlten uns auf jeden Fall pudelwohl und würden dort wieder absteigen. Wir hatten uns für Lusaka viel vorgenommen: Lebensmittel aufstocken, neue Autoversicherung für Zambia abschliessen, unseren Flo wieder auf Vordermann bringen, usw.
Ganz in der Nähe des Campingplatzes wurde uns eine deutsche Metzgerei empfohlen, die hochwertiges Fleisch und auch Würste anbietet. Da wir seit Kenya kein Fleisch mehr eingekauft und kaum gegessen hatten, klang das verlockend und wir deckten uns dementsprechend ein. Mmmh lecker!
Da unsere zambesische Autoversicherung nur noch ein paar Tage gültig war, machten wir uns auf den Weg eine neue abzuschliessen. Wir hatten keine Lust die Versicherung bei unserer aktuellen Versicherungsgesellschaft verlängern zu lassen, da ihr Hauptgebäude mitten in Lusakas Zentrum liegt und der Verkehr dort äusserst dicht und wuselig ist und das wollten wir tunlichst vermeiden. Uns war von unserem letzten Besuch in Lusaka noch eine weitere Versicherung bekannt, die verkehrstechnisch viel günstiger gelegen war. Dort wollten wir unser Glück versuchen.
Der Verkehr war an diesem Tag ziemlich flüssig, wenig Staus. Wir fuhren auf einer dreispurigen Strasse auf der äussersten, linken Spur. Wir wollten beim Lichtsignal geradeaus fahren und merkten dann, dass unsere Spur nur nach links führt. Dies war anhand der Signalisation im Vorfeld nicht ersichtlich. Häbi stellte den Blinker und wollte die Spur wechseln. Nachdem wir die Kreuzung mit Lichtsignal überquert hatten, winkte schon eine Polizistin. Sie meinte, er habe die Spur blockiert. Das es nirgends signalisiert war, und wir als Touristen die Stadt auch nicht kennen würden, beeindruckte sie überhaupt nicht. 900 Kwachas (ca. CHF 30) müsse er bezahlen und zwar wollte sie, dass er irgendwelche «coins» in einem Office in der Stadt besorge, um diese dann wiederum in einem anderen Gebäude zur Zahlung der Busse zu verwenden, völlig unklar und viel zu zeitaufwendig der ganze Ablauf. Bis man diese Anlaufstellen in dieser riesigen Stadt gefunden hätte, wären Stunden vergangen. Häbi drückte ihr daraufhin sichtlich genervt die 900 Kwachas in die Hand und sagte ihr, die Angelegenheit sei für ihn hiermit erledigt.
Der Rest des Tages verlief störungsfrei! Überhaupt genossen wir die ruhigen Tage auf unserem Camp site und wenn es mal zu heiss wurde, sprangen wir ins kühle Nass. An einem Nachmittag hatten wir ein dreistündiges Gewitter mit Starkregen.
Abends stiegen dann ein riesige Menge Insekten, wie aus dem Nichts, auf. Es waren Termiten. Man unterscheidet in fortpflanzungsfähige Termiten, Arbeiter und Soldaten. Die fortpflanzungsfähigen Termiten, die sogenannten Geschlechtstiere, besitzen Flügel, die sie jedoch nach dem Hochzeitsflug abwerfen. Arbeiter und Soldaten sind flügellos. Ausserdem haben nur die Geschlechtstiere Augen, die übrigen Termiten sind blind. Männliche und weibliche Geschlechtstiere finden sich beim Hochzeitsflug zusammen. Dann baut das Paar eine Hochzeitskammer, paart sich und gründet einen neuen Staat. Tausende Flügel lagen am nächsten Morgen überall herum.
Wir verlängerten um zwei Tage, damit Häbi sein Magen-Darm-Infekt auskurieren konnte. Soviel zum starken Geschlecht 😄
Livingstone
In zwei Tagesetappen ging es nach Livingstone. Häbis Highlight war der erste Zug, den wir in Zambia sahen. Markus hatte von seinem Plan erzählt mit dem Zug durch Zambia zu reisen. Und da stand einer. Während Passagiere mit ihren Ziegen, Schafen und Hühner den Zug bestiegen unterhielt sich Häbi mit Leo dem Lokführer und erfuhr, dass der Zug knapp 24h für die etwa 500km von Livingstone nach Lusaka benötige und mit etwa 25km/h über die verzogenen Schienen holpere. Auf das Angebot, die Fahrzeuge zu wechseln, wollte er dann trotz aller Zugbegeisterung nicht eingehen.
Livingstone ist das zambesische Städtchen an den Victoria Falls. Wir quartierten uns im Victoria Falls Waterfront Village ein. Ein hübscher Campingplatz mit Pool, direkt am Zambesi gelegen. Bei knapp 40C war der Pool hochgeschätzt.
Früh am nächsten Morgen besuchten wir die Vic Falls. Es war Ende der Trockenzeit und der Zambesi führte wenig Wasser. Die zambesische Seite der Fälle war von einigen Rinnsalen abgesehen trocken.
In der Niedrigwasserzeit kann dafür ein anderes Highlight besucht werden. Der Devil’s Pool, direkt an der Kante des Hauptfalls gelegen, kann über Livingstone Island besucht werden. Bei den hohen Temperaturen ist jede Abkühlung willkommen. So standen wir am nächsten Morgen bei der Einschiffstelle und erledigten den Papierkram.
Per Boot ging es zur Livingstone Island, mal langsam die Felsen umfahrend, dann wieder rasant. Als wir Full Speed Richtung Fallkante bretterten und die Gischt und den Regenbogen bereits sehen konnten, kam schon ein flaues Gefühl hoch. Doch unser Skipper bog ein paar Meter vor den ersten Rapids noch zur Insel ab.
Dann ging es mit zwei Guides schwimmend und kletternd zum Devil’s Pool.
Vorsichtig wurden wir von den beiden Guides «zu Wasser gelassen». Die Strömung im Pool ist nicht ohne und das schützende Felsband nur knapp einen Meter breit. Mit etwas Schwung ist man leicht drüber hinweg und verlorene Touristen sind nicht gut fürs Geschäft. Da nicht alle Teilnehmer der Tour gleichzeitig auf dem Felsband posieren konnten, sassen wir im Pool auf einer Warteposition. Die kleinen Fischchen im Wasser versuchten von den Wartenden Fressbares von den Beinen wegzuknabbern. Nicht ganz angenehm.
Dann waren wir an der Reihe. Vorsichtig wurden wir in Position gebracht und dann schoss der Kameramann, in Flipflops auf dem Felsband laufend, Bilder von uns. Links die Mainfalls, hinter uns die 105m tiefe Schlucht – ein eindrückliches Erlebnis.
Hinterher stärkten wir uns an einem leckeren Frühstück, das auf der Insel zubereitet wurde.
Um den Event gebührend abzuschliessen, genehmigten wir uns einen Lunch im Royal Livingstone Hotel. War sehr gut, übertroffen jedoch vom Vic Falls Hotel auf der anderen Seite der Brücke.
Das war ein krönender Abschluss unserer Zambia-Durchquerung.
Botswana
Von Livingstone war es eine kurze Fahrt nach Kanzangula. Die neue Brücke führte uns über den Zambezi zur Grenzstation. 25 Minuten später, war alles gestempelt, bezahlt, desinfiziert und kontrolliert. So, wie man sich das wünscht.
Chobe Mopani Forest
Wir tätigten ein paar Einkäufe in Kasane und fuhren zur Chobe Mopani Forest Lodge. Alles war noch knochentrocken. Die Elefanten hatten auf ihrer Futtersuche alle Äste der kleineren Bäume weggefressen und auch innerhalb des Camps ziemlich gewütet. Die Bäume standen wie abgekaute Zahnstocher herum.
Am nächsten Morgen konnten wir viele Antilopen und Elefanten am Wasserloch beobachten. Spuren deuteten darauf hin, dass die Elefanten einen Weg zum Pool gefunden und daraus getrunken hatten.
Martin’s Drift
Mit Zwischenstopps in Elephant Sands, mit relativ wenigen Elefanten und Francistown fuhren wir Richtung südafrikanischer Grenze nach Martin’s Drift. In Francistown begann es in der Nacht zu regnen und stoppte auch den folgenden Tag nicht, was zu einigen kleineren Überschwemmungen führte.
Die Zufahrt zum Grenzposten war wie beim unserem letzten Besuch von Lkws verstopft. Die letzten zwei Kilometer fuhren wir auf der Gegenfahrbahn Slalom um die entgegenkommenden Fahrzeuge herum.
Der Papierkram war schnell erledigt, die Brücke nach SA, welch Überraschung, blockiert. Nach etwa einer Stunde nahm sich in Polizist des Problems an, liess Lkws umparkieren, keine leichte Aufgabe mit diesen langen Dingern, um die Brücke freizubekommen.
Südafrika
Einreise
Mit ein paar kreativen Fahrmanövern über Gehsteige und Fahrbahnabtrennungen löste sich Häbi aus der Lkw Kolonne und schaffte es auf den freien Pkw-Parkplatz. Unser Retirement Visa war ein paar Tage zuvor abgelaufen, da wir jedoch aus der Schweiz via Kenya kamen, stand einem Touristenvisa nichts im Weg – theoretisch. Die Dame von der Immigration sah dies anders, meinte, das Retirement Visa sei gerade abgelaufen und wir hätten wohl nur einen U-Turn über Botswana gemacht, und gab uns 14 Tage mit der Auflage uns bei der Immigrationsbehörde zu melden.
Da standen wir nun wie begossene Pudel. Nichts mit unseren Plänen Weihnachten im warmen Südafrika zu verbringen 😯
Pretoria und Umgebung
Immer noch leicht geschockt über diese überraschende Wende fuhren wir weiter zur Farm Slaap i Bietjie für einen Zwischenstopp. Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg Richtung Pretoria zum Almega Caravan Park, den wir bereits von vorhergehenden Besuchen kannten und schätzten. Es ist ein äusserst gepflegter Campingplatz mit privater Nasszelle und allem was dazugehört. Er liegt ca. 35 km von Pretoria entfernt, somit günstig gelegen, wenn man in Pretoria und Umgebung noch Sachen zu erledigen hat. Im Vorfeld wurde bereits ein Service Termin mit der Iveco Garage abgesprochen.
Zuerst wollten wir jedoch unser Visaproblem bei VFS Global in Pretoria angehen. Wir dachten, VFS wäre für Visa zuständig und wir könnten uns beraten lassen, was das beste Vorgehen für uns wäre. Doch dem war nicht so. Nach ein paar initialen Wirrungen, wir wurden zum Schweizer Schalter geführt, der jedoch die Visaanträge für Besucher der Schweiz behandelte, konnten wir unser Anliegen schildern. Kein Problem hiess es, wir könnten den Antrag hier ausfüllen und in drei Tagen wäre alles erledigt. Mit Priorityservice (R 500 pP) wurden die notwendigen Daten ins System eingegeben und nach der Bezahlung auch ausgedruckt.
Dann stellte sich heraus, dass VFS keine Anträge bearbeitet, sondern nur die Dokumente in Empfang nimmt, weiterleitet und das Resultat der Überprüfung uns dann mitteilen würde. Aus den drei Tagen wurden dann auf einmal zehn Tage warten, bis wir das eben Ausgedruckte an einem anderen Schalter abgeben dürften (hä??) und dann sei das Resultat nach etwa acht Wochen bekannt. Nach sechs Stunden fuhren wir ziemlich frustriert zurück. Ob wir in der Zwischenzeit ausreisen dürften, da gab es unterschiedliche Aussagen. Wir entschlossen uns deshalb in die Schweiz zurückzureisen und dort ein neues Retirement Visa zu beantragen. Unser zweijähriges Jubiläum feierten wir trotzdem.
Wieder Mal stand der Jahresputz an. Während vier Tagen wurde alles im Flo ausgebaut, geputzt, unter den Böden gereinigt und dann wieder eingebaut. Auch die Sitzbezüge bekamen eine Wäsche. Sie hatten einen sandroten Farbton angenommen, das ursprüngliche Blau konnte man nur noch erahnen.
Bei Iveco stand noch der Service an. Einen Tag vor unserem Abflug holten wir bei LA Sport die Kabeldurchführung vom Dach in die Kabine ab, welche wir aus Stahl hatten fertigen lassen. Lionel, der Chef, kannte auch einen kleinen Hügel, an dem der (hoffentlich) geflickte Kriechgang geprüft werden konnte. Der kleine Hügel stellte sich als ein Bord aufgeschotterter Erde heraus. Etwas misstrauisch versuchte es Häbi trotzdem.
Den hässlichen Stein hatte keiner gesehen. Der Flo wurde zu LA Sport abgeschleppt, die Kardanwelle ausgebaut und von einem nahen Hersteller wurde innerhalb zweier Stunden eine neue Welle hergestellt.
Nach der Montage stellte sich heraus, dass das Getriebe noch funktionierte. Schwein gehabt! Man darf Männer einfach nie unbeaufsichtigt spielen lassen! Ach ja, der Kriechgang hatte hervorragend funktioniert.