Botswana, Zambia, Namibia sollten unsere Reiseziele sein, da nun Kenya und Uganda ausser Reichweite lagen.
Wir fuhren Richtung Maun, nahmen jedoch die längere westliche Route, damit wir nicht wieder in Francistown, welches uns schon zwei Mal kein Glück bescherte, vorbeimussten. Kurz vor dem Grenzpunkt Pioneer Gate stoppte uns die Polizei. Der Officer wollte unbedingt das Ablaufdatum der Fahrzeugregistrierung sehen. Wir haben keine SA-Disk, im Fahrzeugausweis steht auch kein Ablaufdatum, Häbis Erklärungen, wie dies in der Schweiz gehandhabt wird, erzeugte nur Kopfschütteln, so rettete uns schlussendlich das Ablaufdatum des Carnets. Aufschnaufen. Doch nur kurz. Häbis Fahrausweis sei nicht gültig, es fehle eine, von der Botschaft beglaubigte, englische Übersetzung. Weitere zehn Minuten Palaver mit Vergleichen der SA- und CH-Fahrausweise um zum Schluss zu kommen, dass sie eigentlich fast gleich seien. Der Grenzübertritt war dann kurz und schmerzlos.
Auf dem Trans-Kalahari Korridor ging es Richtung Norden. Gut ausgebaut mit kaum Verkehr. In Jwaneng werden Diamanten gefördert. Am Ortseingang stehen riesige ausgemusterte Maschinen, die wir bewunderten.
Wie die einen Radwechsel durchführen? Dolly meinte, es sei ihr nicht bewusst gewesen, dass es so grosse Diamanten gäbe. 😊 Auch das 100 MW Photovoltaikkraftwert war mit seinen Dimensionen eindrücklich.
Wir übernachteten im Kalahari Rest Camp und der Korabi Lodge. Die erste im typischen Bushvillagestile gehalten, die zweite an einem schönen Wasserloch gelegen. Am dritten Tag erreichten wir Maun, zum ersten Mal hatte es Wasser in den Channels.
Für Savuti hatten wir uns bereits zwei Übernachtungen im Internet sichern können, welch Fortschritt, das letzte Mal sassen wir in einem dubiosen Büro und warteten auf das Resultat der diversen Telefonate. Leider waren unsere zwei Buchungen nicht zusammenhängend, so fuhren wir zum SKL-Büro. Zwei Minuten später hatten wir die Bestätigung, dass wir auch die fehlende Nacht in Savuti verbringen durften. Gleich effizient erhielten wir zwei Übernachtungen in der Khwai Community auf einem der diversen Reserve Campsites. Wir genehmigten uns ein leckeres zweites Frühstück in unserem Lieblingscaffee Dusty Donkey und waren frohen Mutes, endlich ging es los.
Khwai Community
Die Strasse zum Khwai Community Campsite hatten wir in schlechter Erinnerung. Wir sollten nicht enttäuscht werden. Die ersten 20km Gravel waren viel besser, da sehr sandig, danach folgte jedoch eine etwa 40km lange hartgetrocknete Schlammlochstrecke, die uns fast drei Stunden kostete. Nach einem guten Zwischenstück, wir fuhren 50km/h!!, war die bewährte Schlammlochstrecke Richtung Khwai zurück.
Auf dem Weg zum Campsite, hörten wir das vertraute Knacken. Und wirklich es sah nicht schön aus, Risse oberhalb der geschweissten Stelle. Am nächsten Morgen gab es keinen Gamedrive, sondern weitere holprige 20 km nach Khwai, um die Risse schweissen zu lassen.
Patrick, der Schweisser holte sein Equipment aus dem Schuppen, startete den mobilen Stromgenerator und machte sich ans Werk. Es brutzelte und qualmte aus allen Ritzen. Den bereitgestellten Feuerlöschen benötigten wir jedoch nicht.
Am Nachmittag konnten wir endlich das Gebiet entlang des Khwai Rivers geniessen. Die Wilddichte war auch hier nicht besonders gross, da die vielen Wasserstellen prall gefüllt waren. Ein grosser Elefant erntete alle Fruchtbäume um unseren Lagerplatz. Er presste sich mit Rüssel und Stirn an den Baum und dann mit den Hinterbeinen kräftig schüttelte. Beim Eindunkeln kamen drei Elefanten auf ihrer Fruchtsuche auch bei unserem Baum zu stehen und begutachteten unser Feuer und die beiden Gestalten, die dahinter sassen und die hofften, dass das Feuer genügend abschreckend sei.
Savuti – Chobe NP
Mit frisch repariertem Fahrzeug machten wir uns auf den Weg nach Savuti. Die Savuti-Region im Westen des Chobe-Nationalparks ist bekannt für seine Graslandschaften, sandigen Pisten und ihre grosse Raubtier- und Elefantendichte. Die Anreise verlief problemlos und wir erreichten das Mamabe Gate im Süden früher als gedacht.
Wir entschieden uns im Süden für die wildreichere Savuti Marsh-Road. Wir sahen viele Raubvögel, Impalas, Giraffen, Schakale und einige Elefanten.
Nach einer gewissen Zeit wechselten wir auf die Sand-Ridge Road, die uns schlussendlich ins Savuti Camp führte, wobei einige Kilometer tiefsandig waren. Uns wurde für die erste Nacht der Stellplatz 1 zugeteilt, der eigentlich nur aus tiefem Sand bestand. Bei Ankunft logierten noch zwei holländische Camper mit einem normalen Fahrzeug (2×4!) auf unserem gebuchten Platz. Alles easy, meinten sie, sie seien erst drei Mal stecken geblieben. Als sie den Platz für uns freimachen wollten, war es dann das vierte Mal. Häbi eilte zu Hilfe.
In dieser Nacht lagerten auch zwei Löwen im Camp. Akustisch waren sie die ganze Nacht über sehr aktiv. Jeder benutzte sein Fahrzeug um auf die Toilette zu fahren
Frühmorgens starteten wir unsere Pirschfahrt, die Löwen waren leider bereits weg. Bei einem Wasserloch erblickten wir eine grosse Anzahl Pelikane, die Häbi fälschlicherweise als «Enten» bezeichnete.
Dann kam das erste Highlight und zwar konnten wir eine Cheetah auf der Jagd beobachten. Es war sehr eindrucksvoll eine Gepardin in Aktion zu sehen, blitzschnell und sehr elegant, ein wunderschönes Tier!
Die zweite Nacht übernachteten wir auf einem sogenannten Reserve Stellplatz, der viel attraktiver war als der offizielle Platz.
Auch am darauffolgenden Tag lief es rund. Wiederum lief uns die Gepardin über den Weg, wir versuchten sie zu verfolgen, aber es lang uns nicht, da das hohe Grass die Sicht erschwerte und wir mit unserem Flo nicht sehr agil sind.
Für den späteren Nachmittag hatten wir einen kommerziellen Gamedrive gebucht. Bei unserem ersten Besuch 2023 in Savuti hatten wir das grosse Glück afrikanische Wildhunde zu beobachten und dies erhofften wir uns wiederum. Trotz grosser Bemühungen unseres Guides kam es dieses Mal nicht zum Klappen.
Wir wurden aber zigmal entschädigt durch eine tolle Sichtung von einer Gepardin, die gerade ihre Beute ausgiebig verzehrte. Etwas gewöhnungsbedürftig sind doch die akustischen Geräusche, der Geruch und das blutverschmierte Gesicht.
Das war aber noch nicht alles für den heutigen Tag. Über Funk erhielt unser Fahrer einen Hinweis, wo sich Löwen aufhalten. Also, nichts wie hin. Ein alter, sehr müde aussehender Löwe blickte uns an. Er machte einen äusserst harmlosen, kuschligen Eindruck, aber klar, dass kann täuschen. Beim Weiterfahren erblickten wir noch einen weiteren Löwen, dessen Schwanz teilweise in die Piste hereinragte. Geschickt wich der Fahrer dem Hindernis aus!
Der Gamedrive war ein voller Erfolg. Wir kehrten erst bei voller Dunkelheit ins Camp zurück und trafen auf Touristen im Mietcamper, die im Dunkeln herumirrten und verzweifelt ihren Stellplatz 7 suchten. Unser Fahrer konnte helfen.
Auch die Rückfahrt am nächsten Tag zum Ghoha Gate lief problemlos. Wir hatten diese Route vom letzten Besuch als anspruchsvoller und viel schlechter in Erinnerung.
Chobe NP am Chobe River
Nach einer Übernachtung auf dem hübsch gelegenen Muchenje Campingplatz machten wir uns auf dem Weg nach Kasane, da wir am nächsten Tag einen Tagesausflug an den Chobe River geplant hatten. In Kasane stockten wir unsere Lebensmittelvorräte auf und Häbi erhielt einen neuen Haarschnitt, na ja, mit einer Küchenschere kann man nicht mehr erwarten 🤣
Wir waren früh im Park und hatten das Glück gleich ein Löwenrudel unterwegs zur Jagd zu beobachten.
Und schon waren sie weg. Dann war es ruhig. Ausser ein paar Büffeln und Impalas war nichts zu sehen. Nach einem ausgiebigen Frühstück, weiterem ereignislosem Fahren erreichten wir den Picknickplatz. Dort kann man sich immer Tipps von den professionellen Guides, die mit ihrem Funk viel mehr Augen haben, holen. Die Äffchen boten eine super Show, indem sie einer Familie das gesamte Picknick von Tisch klauten.
Den ganzen Nachmittag verbrachten wir auf einem drei Kilometer langen Ufertrack und durften nur noch staunen.
Zambia again
Von Cornelia und Guisep hatten wir erfahren, dass sie demnächst in Livingstone aufschlagen würden. So beschlossen wir nach Livingstone zu fahren, um sie zu treffen. Der Grenzübertritt verlief wiederum problemlos. Der freundliche Customsofficer erkannte uns wieder und mit einer Schnellabfertigung waren wir durch. Am nächsten Tag kamen die beiden in Livingstone an und richteten ihren Camper ein.
Bei unserer ersten Einreise in Zambia mussten wir den Kafue NP links liegen lassen, um die Zeit, die wir mit unseren beiden Pretoria-Fahrten verloren hatten, aufzuholen. Nun beschlossen wir, gemeinsam zum Kafue NP zu fahren, zuerst zum Chibila Camp in Itezhi-Tezhi von Ruth und Brad. Von Kalomo wollten wir die Gravelroad, die zeitweise durch den Park führt, nach Itezhi-Tezhi nehmen. Doch schon nach etwa 20km brachen wir unser Vorhaben ab, die Durchschnittsgeschwindigkeit war unter 15km/h gesunken und es standen noch 170 km an. So fuhren wir zurück und nahmen die Teerstrasse nach Namwala. Je näher wir Richtung Namwala kamen umso grüner wurde es und die Kuhherden grösser und grösser. Wir durchquerten eines der Gebiete des leckeren ZamBeefs. Vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir gerade noch Namwala und übernachteten auf dem Parkplatz eines kleinen Hotels. Am nächsten Morgen ging es über eine neun Kilometer lange Zufahrtsstrasse zur Fähre über den Kafue. Der uns auf dem Fahrrad begleitende Junge war etwa gleich schnell unterwegs.
Das Chibila Camp ist eine kleine, jedoch herrlich gelegene Anlage, den See überblickend. Die Gastfreundschaft von Brad und Ruth war herb, aber sehr herzlich. Die Gin Tonics schlicht Hammer.
Kafue NP
Wir betraten den Kafue NP über das Musa Gate und fuhren über die recht gute Spinal Road um den See Richtung Norden. Wir wollten in drei Camps im Park übernachten, Cornelia und Guisep fuhren schneller Richtung Lusaka. Der südliche Teil des Kafue NP ist dichtes Buschland gelegentlich mit offenen Flächen. Landschaftlich hat uns der Südteil sehr gut gefallen, unsere Tiersichtungen waren nicht so üppig, C&G hatten mit Wildhunden und einem Leoparden mehr Glück.
Die erste Nacht verbrachten wir im Malala Wilderness Camp am See. Unsere treuen Freunde während der Fahrt, die Tse-Tse-Fliegen, waren auch bei unserer Ankunft zahlreich zugegen. Sobald das Fahrzeug jedoch stand, verloren sie ihr Interesse und wir hatten unsere Ruhe. Die paar wenigen Ruhestörer, die es in die Fahrzeugkabine geschafft hatten, erledigten wir mit DOOM.
Im Kasabushi Camp direkt am Kafue River gelegen wollten wir unsere zweite Nacht verbringen. Wegen des langen kommenden Weekends war es leider ausgebucht. So fuhren wir weiter zum Saba Safari Camp im Nordteil des Parks. Die Parkbehörde liess im Nordteil grosse Landflächen kontrolliert abbrennen, doch manchmal verloren sie die Kontrolle. So fuhren wir durch russige Gebiete ohne Leben.
Kurz vor dem Camp meldete unsere Servolenkungspumpe wieder einmal «kein Oel mehr». Und tatsächlich, eine Schraubverbindung war etwas lose, also kein Problem. So unter dem Flo liegend, entdeckte Häbi jedoch einen weiteren Riss bei unserer bereits zweifach geschweissten Lieblingsstelle.
Die beiden Tag im Saba Safari Camp genossen wir trotzdem. Der Host meinte, während des Tages könne man getrost mit dem Campingstuhl im Fluss sitzen, die Kroks kämen erst bei Nacht. Wir wagten den Versuch dann doch nicht.
Zwei Tage später erreichten wir problemlos Lusaka wo C&G bereits auf uns warteten.
Wir mussten uns gedulden, es war das lange Wochenende mit Feiertagen an Montag und Dienstag, so dass wir erst am Mittwoch wieder mal Schweissen konnten.
Am darauffolgenden Tag machten wir uns freudig auf den Weg und fragten uns, ob nun unsere Pechsträhne wirklich vorbei sei. Wir trauten der Sache noch nicht ganz.
Da wir bereits das Visum für Tansania eingeholt hatten, als wir noch vorhatten ganz nach Uganda hochzufahren, entschlossen wir uns nun in den Gombe Nationalpark nach Tansania zu fahren, um an einem Schimpansen Trekking teilzunehmen. Da C&G dieselbe Reiseroute geplant hatten, beschlossen wir gemeinsam in den Gombe NP am Tanganjikasee zu reisen. Nur, sie hatten zwei Tage Vorsprung.
Unser erster Zwischenstopp war wieder einmal die ehemalige Fika Lodge, die jetzt neu Forest One heisst. Ausser das sich die Preise fast verdoppelt haben, sahen wir keine Veränderung. Wir baten den Rezeptionisten uns die beiden bestätigten Visa Anträge für Tansania auszudrucken. Freudig nahmen wir diese entgegen.
Mutinondo Wilderness war unser nächster Zwischenstopp, wo wir dieses Mal zwei Nächte in den Granithügeln verbringen wollten. Als wir ankamen und eincheckten vernahmen wir, dass unser Besuch bereits von C&G angekündigt worden und der Stellplatz 9, mit herrlicher Aussicht, für uns reserviert war. Ausserdem hinterliessen C&G einen Willkommensgruss für uns. Ganz lieben Dank dafür!
Das einzige Problem war, dass die Zufahrt zum Stellplatz 9 eigentlich für unseren Flo nicht ganz ohne war. Mit Bäumen umsäumt und stellenweise sehr schmal, so dass Slalomfahren kaum möglich war. Bei der Anreise bekam unser Flo bereits ganz schöne Kratzer ab, so beschloss Häbi sich bei der Rückreise mit Spanngurten zu behelfen und die kritischen Äste in Zaum zu halten. Dolly drückte teilweise die hängenden Äste etwas nach hinten.
Häbi checkte am Abend einmal mehr die Schweissnaht und alles sah gut aus.
Am übernächsten Tag fuhren wir weiter auf der Great North Road nach Kapishya Hot Springs. Da es so oder so auf unserer geplanten Route lag, beschlossen wir unsere müden Knochen im 37° Grad heissem Quellwasser zu baden. Die Stichstrasse, die von der Great North Road abbog, war mehrheitlich gut befahrbar.
Basierend auf einer sauberen Planung holten wir langsam unseren Rückstand zu C&G auf.
Uns so passte es, dass wir wieder einmal selber buken.
Der abendliche Fahrzeugcheck fiel positiv aus. Langsam und sicher fassten wir wieder Vertrauen in unseren Flo.
Am nächsten Tag gab es nach einer langen, langen Fahrt ein Wiedersehen mit C&G im Schaefer Camp, einer wunderschön gelegenen kleinen Kaffeeplantage mit Stellmöglichkeiten und gepflegten sanitären Anlagen. Die ganze Anlage ist sehr liebevoll gestaltet. Wir wurden sehr herzlich von den Besitzern Lynn und Grant empfangen. Unser Host brachte uns sogar frisch gelegte Eier vorbei. Einfach toll!
Tanzania
Am nächsten Morgen überquerten wir in Kasesha die Grenze nach Tanzania. Die Ausreise war in fünf Minuten erledigt, ein bisschen Small Talk mit der Imigrationbeamtin, die Geldwechsler abwimmeln und wir fuhren zum tanzanischen Grenzposten. Dieses Mal hatte sogar Dolly das e-Visum, also sollte alles leicht gehen. Nachdem Häbi seinen Stempel im Pass hatte, ging er zum Zoll um das Carnet stempeln zu lassen und die Strassengebühren zu zahlen. Das mit den Gebühren war dann nicht so gradlinig, da der Zoll keine Karte nahm (keine Datenverbindung) und auch kein Cash akzeptierte. So musste Häbi den Grenzposten verlassen, zum nächsten Airtel-Häuschen gehen, dort die 30$ mittels MPESA Money auf eine Nummer in Shilling einzahlen lassen, wobei der Wechselkurs nicht gerade der beste war. Ohne Bestätigung ging es dann zurück und nach ein paar Minuten warten war der Stempel auf dem Carnet und restlichen Papiere ausgedruckt.
Derweil kämpfte Dolly mit anderen Problemen. Wir hatten unsere e-Visa ausgedruckt, jedoch zwei Mal Häbis Antrag, der von Dolly fehlte. Der Einwanderungsbeamte war sehr geduldig. Mails konnten wir wegen fehlender Daten nicht laden, schlussendlich fand Dolly das Dokument auf WhatsApp, was der Immigration genügte.
So tuckerten wir dann auf der Dirt Road Richtung Sumbawanga. Die Strasse war langsam, da sie meist als Behelfsstrasse zur Baustelle der neuen Strasse lief. Als wir endlich Asphalt nach zwei Stunden erreichten, waren wir geschafft.
Kurz vor Sumbawanga machte unser Flo in einem Kreisel wieder einmal das «Kein Hydrauliköl mehr» Geräusch. Vorsichtig fuhren wir noch bis zu unserer Lodge, wo Häbi sofort unter dem Flo verschwand. Das nachgefüllte Öl war Sekunden nach dem Einschalten der Zündung auf dem Arbeitsteppich verteilt. Diesel Mal konnten wir das Problem nicht mehr mit Nachziehen der Schraubverbindungen beheben. Aus einer Schraubverbindung des T-Stücks sprudelte es munter hervor.
So schnappten sich Dolly und Häbi beide einen Motorradfahrer mit den Missionen eine SIM-Karte zu beschaffen (Dolly) und einen Mechaniker (Häbi) aufzutreiben. Glücklicherweise sprach Häbis Fahrer leidlich Englisch. Im zweiten Anlauf fanden sie einen Mechaniker, der sich bereit erklärte am nächsten Morgen um 7 Uhr sich das Problem anzuschauen. Gut, es wurde dann 8 Uhr. Das Problem war schnell verstanden und die alternative Lösung, die für den Iveco im Netz vorgeschlagen wird, erklärt. Anstelle der komplizierten und anfälligen 90 Grad Winkel, mit anschliessendem T-Stück und dann Leitung einen einfache gerade Schraubverbindung zu einem Schlauch.
Mechaniker und Fahrer machten sich auf die Suche nach einer Lösung und kehrten mit einer geraden Gewindeverbindung und einem (zu langen) Schlauch zurück. Es passte. Cornelia und Dolly powershoppten in der Zwischenzeit auf dem lokalen Markt. Ihr Banjij-Fahrer war hoch erfreut die beiden Blondies fahren zu dürfen.
Gegen Mittag, nachdem alle Schrauben angezogen und Früchte und Gemüse verstaut waren, machten wir uns auf den Weg Richtung Kigoma. Von den über 500 km waren etwa die Hälfte Dirtstrassen. Ausgangs Sumbawanga lag eine Wägestelle ohne die üblichen Kolonnen. So fuhren wir hin und fragten nach, ob wir wirklich verpflichtet wären uns bei jeder Wägestelle überprüfen zu lassen. Müssen wir nicht. Vorderachse: 2400kg, Hinterachse 3450kg in vollbeladenem und betanktem Zustand. Wir fuhren zu einem Wildcamping Spot, abseits der Strasse in einem alten Steinbruch gelegen. Ein paar Hirten mit ihren Kühen zogen vorbei. Zwei kleine Kinder, die unsere Camper bestaunten, wurden von Häbi mit Schokolade verwöhnt. Sonst störte uns niemand.
Dann ging es durch den Katavi NP bis nach Sitalike. Dort gibt es einen der wenigen Campsites. Die Strasse durch den Park war die erste längere Dirtstrasse, rumplig aber recht gut. Nach ein paar Kilometer mussten wir anhalten. Die Sensorhalterung an der Frontscheibe, die in Pretoria angeleimt wurde, hing nur noch an den Kabeln. Häbi baute die Sensoren aus und klebte sie mit Panzertape an der Windschutzscheibe fest.
Der Campsite lag direkt am von reichlich Hippos bewohnten Fluss. Nach dem Eindunkeln begeisterte uns dann Guisep mit einem weiteren seiner Gadgets. Mit dem IR Feldstecher die nächtlichen Aktivitäten zu beobachten war eindrucksvoll.
Die zweite längere Dirtstrecke begann nach Mpanda und war etwa 180km lang. Zu Beginn führte die Strasse als Umfahrung an der Neubaustrecke vorbei, an der keiner arbeitete. Manchmal konnten wir auf der Neubaustrecke dann einige Kilometer brettern. Nach etwa 60km war es dann die alte Strasse, die erst auf den letzten 80km richtig schön und gut zu befahren war.
«Behind the Rocks» war unsere zweite Wildcamping Stelle. Sehr schön zwischen kleinen knorrigen Bäumen und einigen Kakteen gelegen. Kleine Fliegen, die jede Öffnung im Gesicht nach Feuchtigkeit absuchten, störten jedoch den Genuss unseres wohlverdienten Feierabendbiers. Zuerst versuchten wir es mit Antibrumm, dann mit Hut. Das Mückennetz über dem Kopf half nur bedingt. Schlussendlich packte Häbi unser grosses Moskitonetz aus und bastelte ein Zelt, unter dem es sich etwas beengt, ziemlich fliegenfrei entspannen liess.
Am nächsten Morgen nahmen wir die letzten 60km Dirtroad in Angriff, ausnahmsweise eine wahre Freude. So erreichten wir gegen Mittag Kigoma. Wir checkten in der Aqua Lodge ein und organisierten unseren Ausflug zu den Schimpansen im Gombe NP für den nächsten Tag. Den Abend liessen wir am Strand ausklingen bei herrlichen Temperaturen begleitet von einem wunderschönen Sonnenuntergang. Nur die Essensbestellung klappte nicht. Von der grossen Karte hatten sie die Hälfte nicht, und was wir bestellten, wurde nicht serviert. Die Nacht auf dem Parkplatz der Lodge war dann eher unruhig. Der WM-Final trug seinen Teil dazu bei.
Gombe Stream NP
Wir hatten schon viel vom Gombe-Nationalpark gehört und wir freuten uns als die Bootsfahrt am frühen Morgen endlich losging.
Der Gombe-Stream-Nationalpark ist Tanzanias kleinster Nationalpark, aber in Bezug auf Primatenforschung und Artenschutz wohl der bedeutendste. Bekannt geworden durch Dr. Jane Goodalls bahnbrechende Schimpansen Forschung, die bereits 1960 begann, bietet Gombe einmalige Naturerlebnisse an den Ufern des malerischen Tanganyikasees. Der Park schützt mehrere Gruppen wildlebender Schimpansen, die sich an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt haben, was bemerkenswert nahe Begegnungen ermöglicht.
Nach einer knapp zweistündigen Bootsfahrt vorbei an kleinen Fischerdörfchen, die nur per Boot erreichbar sind, wurden wir bereits am Ufer von den Mitarbeitern des Nationalparks empfangen.
Nachdem wir das Gepäck in unsere «Highend-Zelte» verstaut hatten, ging es nach einer kleinen Einführung schon los. Wir stiegen wieder in unser Boot, nun begleitet von zwei Guides, und es ging los in Richtung Schimpansen. Ein Fährtenleser, der bereits im Regenwald auf Suche war, war fündig geworden und die Primaten gespottet. Nach einer kurzen Fahrt gingen wir an Land und wir liefen dicht bewaldete, steile Hänge hinauf und hinunter auf der Suche nach den Schimpansen. Da wir hauptsächlich im dichten Regenwald liefen, war die Sonne kein Problem, die Feuchtigkeit war eigentlich das Anstrengende.
Nach einer guten halben Stunde zu Fuss hörten wir bereits die Laute der Schimpansen. Dann eilten wir zackig hinauf und erblickten die Schimpansen hoch auf den Bäumen. Wir zogen unsere Maske, zum Schutz der Primaten vor menschlichen Erkrankungen, an und setzten uns nach Aufforderung unseres Guides auf den Boden und warteten geduldig bis die Schimpansen herunterkletterten.
Nach kurzer Zeit wurden wir reichlich belohnt. Es wurden immer mehr und mehr (bestimmt ca. 30 Stück). Sie liessen sich von uns in ihrem Alltag überhaupt nicht stören. Offiziell müsste man einen Abstand von 10 m einhalten. Da aber die Schimpansen kreuz und quer liefen und uns gar nicht beachteten, war das ein Ding der Unmöglichkeit. Die Begegnung mit dem Schimpansen war dynamisch und unvorhersehbar. Die Tiere bewegten sich frei, gaben eindrückliche Laute von sich und zeigten komplexes soziales Verhalten. So mussten sich nicht nur die Schimpansen vor dem laut brüllenden und dickast-schwingenden Alphamännchen in Sicherheit bringen auch ihre Verwandten brachten sich hinter Büschen und Bäumen in Sicherheit.
Sobald die Schimpansen gefunden sind, dürfen Besucher sie in der Regel nur für eine begrenzte Zeit beobachten – meist bis zu einer Stunde. Wir hatten Glück und unsere Guides nahmen es mit der Zeit nicht so genau. Ebenfalls sollte man direkten Augenkontakt zu den Schimpansen vermeiden.
Es war ein absolut unvergessliches Erlebnis. Zufrieden kehrten wir mit dem Boot wieder in unsere Bleibe zurück und nach einem mittelmässigen Abendessen freuten wir uns auf unser Zelt. Die Nachtruhe war so lala, da die Paviane ebenfalls bei uns nächtigten, aber natürlich nicht im Zelt sondern oberhalb.
Bevor es am nächsten Tag wieder zurück ging, stand ein weiteres Trekking auf dem Programm. Wir nahmen wieder das Boot und hofften auf einen weiteren erlebnis- und erfolgreichen Tag. Der Fährtenleser, der bereits frühmorgens in den Regenwäldern unterwegs war, war fündig geworden. Also nichts wie hin. Kaum waren wir da, hatten die Schimpansen die Richtung gewechselt, also wieder zurück ins Boot und zum nächsten Ort der Sichtung. Nach einer Wartezeit tröpfelten die Schimpansen ein.
Glücklich und zufrieden führen wir mit dem Boot nach Kigoma zurück. Es war ein rundum gelungener Ausflug. Die Begegnung mit den Schimpansen war noch eindrücklicher als wir uns das vorgestellt hatten. Auch die atemberaubende Natur und der kristallklare Tanganyikasee trugen zum Erlebnis bei.
Kaum in Kigoma bei der Aqua Lodge angekommen, verabschiedeten wir uns vom Hotelpersonal und fuhren zum Jacobson Beach Camping, einem schönen ruhigen Campingplatz, direkt am Tanganyika See gelegen.
Früh am nächsten Morgen ging es los. Wir verabschiedeten uns von Cornelia und Guisep, die Richtung Uganda weiterzogen. Wir hatten das gemeinsame Reisen der letzten Tage sehr genossen. Für uns hiess es zurückzufahren. Wir gaben der längeren, asphaltierten Strasse über Dodoma, Irnaga und Mbeya den Vorzug, dafür keine Dirtstrecken.
Kigoma war noch sehr ruhig am frühen Morgen, von der dichten Polizeipräsenz der letzten Tage, geschuldet dem Besuch von Mama President, die die Bahnstrecke Dodoma – Kigoma eröffnete, war nichts mehr zu sehen. So hatten wir bald die Stadt und die endlosen Vordörfchen verlassen und tuckerten gemütlich auf einer neuen Strasse Richtung Tabora, unserem ersten Stopp. Wir wunderten uns schon, was Mama President denn genau eröffnet hatte, liessen uns doch einige Bauwerke und kilometerlange, unfertige Bahndämme etwas ratlos zurück.
Die Landschaft wurde trockener und öder. Das schien auch auf die Dorfnamensgebung abzufärben.
Kurz vor Tabora, nach gefahrenen 90750km schlug das Reifendrucküberwachungsgerät Alarm – wir hatten unseren ersten Plattfuss. Einer der hinteren Reifen war an fünf Stellen aufgeplatzt. Mit der tatkräftigen Mithilfe einiger Lokaler war das Reserverad schnell montiert. Die Hilf wurde mit einem Trinkgeld belohnt, das gemessen am Jubel grosszügig war.
In Tabora angekommen, konnten wir nicht unseren wohlverdienten Feierabend geniessen, zuerst musste noch das defekte Rad mit einem neuen Reifen versehen werden. Die einzige in iOverlander eingetragene Garage (Toyota) konnten uns nicht helfen, ihre Maschinen waren defekt. Sie setzten uns einen Guide ins Fahrzeug, der uns durch die Stadt zu einer anderen Reifenwerkstatt lotste. Für diesen super Service wollten sie keine Bezahlung annehmen, was wir dann mit grosszügigem Trinkgeld kompensierten.
Dann war es endlich so weit, auf dem Parkplatz des historischen Orion Tabora Hotel genossen wir unser Feierabendbier.
Die leckere Ananas sollte unser Nachtessen werden, zusammen mit Avocados und Tomaten hatten wir sie auf dem Markt in Kigoma eingekauft. Die Avocados waren sensationell gewesen, ein wahrer Traum, nun lockte die Ananas. Doch vor dem Genuss mussten wir das Massaker der Ananas an den Tomaten, die zu Brei gewalzt auf dem Roost und an den Wänden im Kühlschrank klebten, beseitigen – die Übeltäterin schmeckte köstlich.
Am folgenden Tag nahmen wir die Strecke nach Dodoma, der Hauptstadt Tanzanias, in Angriff, das Reifenüberwachungssystem immer im Blick. Der neue Reifen, der nicht mehr neu, sondern der beste der bereits gefahrenen Reifen war, 2023 ersetzt, wurde relativ schnell heiss. Wir liessen ein bisschen Luft ab und fuhren langsamer. Nach einem halben Tag hatte er sich eingelaufen. Wie beim letzten Mal übernachteten wir im selben Hotel, das gerade zu einem 5-Stern Resort umgebaut wird.
In zwei langen Tagesetappen ging über Iringa nach Mbeya. Die Strassen wurden immer rumpliger, der Verkehr dichter und das Vorankommen somit langsamer. Die Landschaft vor Iringa entschädigte den schlechten Strassenzustand mit spektakulärem Aufstieg ins Hochland und weiten Gebieten voller Baobas. Leider war die Sicht wie immer sehr dunstig.
Kurz vor Mbeya, wir tuckerten wegen der mies gepatchten Potholestrecke seit einer Stunde hinter einem LKW her, als die Polizei uns herauswinkte. «Speeding, 56km/h»; «Wo»; «Ausfahrt letztes Dorf»; «Wir fuhren die letzte Stunde maximal 40 km/h hinter dem Truck – also nein – nice try». Häbi nahm dem Polizisten den Fahrausweis aus der Hand, lachte mit ihm, und weg waren wir. Gewohnt chaotisch war die Durchfahrt durch Mbeya. Dass über 30 km die Strasse durch eine schmale Behelfsstrasse ersetzt wurde, verbesserte die Situation nicht wirklich.
Früh am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zur Grenze, doch schon bald gestoppt durch einen LKW-Stau. Ganz afrikanisch schlugen wir uns mal links, mal rechts durch die Büsche am Stau vorbei, bis die Schräglage für uns dann zu gross wurde.
Im Grenzbereich auf tanzanischer Seite stoppte uns ein Leuchtwesten-Mann und verlangte eine Schadstoffabgabe für die Gemeinde Tanduma. Er verlangte 200 Kwatchas. Nach kurzer Diskussion wegen falscher Währung und bereits bezahlter CO2-Abgabe fuhren wir unbehelligt weiter.
Das neue Abwicklungsgebäude auf zambesischer Seite war fertiggestellt, jedoch nur ein kleines Büro für den Zoll in Betrieb, der Rest stand leer. Somit waren die Abläufe wiederum alles andere als gradlinig, also zurück nach Tanzania zur Einreise, um das Carnet abzustempeln, dann ins neue Zolloffice auf zambischer Seite um das Carnet auszufüllen. Für die Road Tax und CO2-Abgabe stürzten wir uns ins Gewimmel kleinster Läden; ein Agent gab unsere Angaben ein, wir machten ein Foto seines Handys, gingen in ein anderes Büro um mit dem Screenshot zu bezahlen und suchten schlussendliche ein Copycenter mit funktionierendem Drucker, der unsere Bestätigung ausdruckte. Zurück zur Grenze, den Ausdruck stempeln lassen und nun wurde das Carnet ausgefüllt. Trotz diesem wirren Hin und Her, wir waren nach einer Stunde durch. Während am ersten Checkpoint (500m nach der Grenze) alle Papiere nochmals penibel überprüft wurden, holte sich Dolly bei einem kleinen Airtel-Kabinchen ein neues Datenpaket. Somit waren wir bereit für Zambia.
Zambia
Noch früh unterwegs und entschlossen wir uns, es nach Mpika zu versuchen. Die ersten 200km der GNR waren immer noch sehr gut, weiter südlich waren viele Potholes gepatched, dass es gut voran ging. Natürlich war da ab und zu das eine nicht geschlossene Pothole, um den Fahrer aufmerksam zu halten. Die Nacht verbrachten wir in einer kleinen Lodge. Unsere Weiterfahrt am nächsten Morgen wurde verzögert, niemand war da, um das Gate zu öffnen. Häbi fand schliesslich den Besitzer und weiter gings Richtung Lusaka.
Nicht alle waren schon wirklich wach am letzten Reisetag vor Lusaka, das Klapplavabo war nicht richtig gesichert – so hatte Häbi in Lusaka ein kleines Projekt.














































































































































































