Nach einem Jahr Sesshaftigkeit meldete sich unser Reisefieber wieder. Das Haus ist einigermassen fertig («almost there», nicht nur die Farbe unserer Küchenmöbel, auch die beliebte Beschreibung der Handwerker bezüglich des Fertigstellungsgrads ihres Auftrags). Den Sommer hatten wir genossen und langsam kündigte sich der nasskalte Winter an. Also nichts wie los – so begannen wir mit der Planung unseres nächsten Trips, der uns zu den Gorillas in Uganda und nach Kenya führen soll. Soweit der momentane Plan, aber wir hatten schon viele Pläne. Die Dieselversorgung in Zambia und der noch immer anhaltende Regen bereiteten uns am meisten Sorgen.
Der Flo wurde aus dem Storage genommen, die letzten Mängel repariert und die Sitze mit einem neuen Überzug versehen. Lange hatten wir nach einem passenden Überzug gesucht, gefunden nur per Zufall. Wie wir so vom Einkaufen von der Mall wegfuhren, sahen wir einen CH Iveco Camper. Wir lernten Cornelia und Giusep kennen, die Überzüge von einer kleinen Firma (Caprivi Luxury Safari Gear) einbauen liessen. Zehn Minuten später waren unsere Überzüge auch bestellt.
Der Flo bereit, das Haus winterfest, ging es am 2. Mai los Richtung Johannesburg.
Karoo National Park
Unseren ersten Stopp legten wir im Karoo NP ein. Ein kleiner NP in der Nähe von Beaufort West, der durch seine wildschöne Landschaft und die vielen Antilopen besticht. Der ungewöhnlich feuchte Sommer liess auch die braungelbliche Karoo erblühen. Sogar der unbeliebte Dornenbaum erfreute uns mit frischem Grün und Blüten.
Auf unserer weiteren Fahrt nach Johannesburg begleitete uns Regen und Hagel. Bei Marion und David angekommen, suchten wir uns eine kleine Trockeninsel in ihrem Garten. Der Campingbereich war Land unter.
Nach einem Kurzbesuch bei unseren Freunden in Pretoria führte uns die Strasse Richtung Botswana zum Grenzübergang Stockpoort. Wir übernachteten auf einem kleinen Campingplatz direkt vor der Grenze und genossen ein herrliches T-Bone in der Lodge.
Demolition Day
Früh am nächsten Morgen überquerten wir die Grenze. Stockpoort ist ein absolut stressfreier Übergang, dauerte kaum 15 Minuten. Dafür muss man die nächsten 40 km auf einer Dirtroad fahren, die sich jedoch als recht gut herausstellte. Wir hatten fast Francistown, unseren nächsten Stopp, erreicht, als ein entgegenkommender LKW einen kleinen Kiesel auf unsere Windschutzscheibe schleuderte. Mit einem Bling blieb er auf dem Scheibenwischer liegen. In Woodlands angekommen, hatte sich aus dem Bling ein etwa 15 cm langer Riss gebildet. Bei der anschliessenden Überprüfung des Flos entdeckte Häbi, dass auch das linke Abblendlicht nur noch an den Drähten hing und die Radioantenne abgebrochen war.
Am Abend telefonierten wir mit unseren Nachbarn. Ein Orkan hatte den Kamin unseres Hauses weggeweht, aber sonst war alles unversehrt. Das war definitiv nicht unser Tag.
Über Nacht war der Riss auf 20 cm angewachsen und bei der Abfahrt vergrösserte er sich innert Minuten auf 25 cm. Nach ein paar Telefonaten wussten wir, dass es in Botswana keine für uns geeignete Frontscheibe gab. Walter unser Werkstattleiter bei Iveco Pretoria versicherte uns, dass er eine Originalscheibe hätte. Also zurück (750km ein Weg) über die Grenze nach Pretoria. Dort angekommen, hiess es, Iveco hätte zwei verschieden Frontscheiben (hä??) doch sei keine original (was!!!), wir müssten 2 Wochen warten (NEIN!!!). Nach einem kurzen Brainstorming mit den Glasmenschen war eine Lösung gefunden. Die fehlenden Sensorträger wurden von der defekten Scheibe weggeschnitten und auf die neue angeklebt. Zwei Stunden später war es getan.
Im Eindunkeln fuhren wir wieder Richtung Botswana, wo wir am nächsten Abend glücklich mit heiler Frontscheibe in Francistown ankamen.
Botswana oder doch nicht?
Am nächsten Morgen ging es Richtung Elephant Sands. Nach nur ein paar Kilometer stoppt uns eine entgegenkommende Polizeistreife mit Blaulicht. «Speeding» meinte der Officer, 400 Pula, etwa 25 CHF. Da er jedoch keine Lust hatte den Papierkram auszufüllen, auf den Häbi bestand, erliess er uns die Busse. Mit einem Grinsen fuhren wir weiter, welches uns nach zwei Minuten einfror. Beep – Beep – Beep tönte der Alarm und zwei Lampen der Luftdruckanlage blinkten wild. Auch mehrmaliges Neustarten des Flos half nichts, immer nach Ablauf der Kompressorphase, welcher nicht lief, kam der Alarm. Also zurück nach Francistown zu Iveco. Nach zwei Stunden suchen, gaben sie auf, sie hatten keine aktuelle Dokumentation und keine Diagnosemittel. Da wir nicht ohne Druckluft, die für die Steuerung der Untersetzung und Difflocks benötigt wird, fahren wollten, telefonierten wir mit unserem Lieblingswerkstattchef Walter in Pretoria und kündeten unsere Ankunft an. So fuhren wir wieder zur Grenze mit konstantem Beep – Beep – Beep … im Ohr. Nach der SA-Immigration war das Beep weg und nur noch eine Lampe blinkte. Am nächsten Morgen war alles wieder in Butter, auch der Kompressor lief wieder.
Nach einer längeren Messphase wurde der Fehler im Druckluftschalter gefunden, der bei zu niedrigem Druck nicht sauber schloss, so dass das Relais, welches den Kompressor ansteuerte, nicht anzog. Am nächsten Morgen war das Ersatzteil geliefert, eingesetzt und es lief wieder. Die Treibstoffpumpe wurde auch noch ersetzt, Walter meinte, sie töne nicht mehr proper.
Also wieder zurück Richtung Botswana. In zwei lange Etappen erreichten wir nudelfertig Elephant Sands, was dieses Mal eigentlich No Elephant Sands heissen sollte. Der ausgiebige Regen hatte alle Wasserlöcher gefüllt und die Elefanten stillten ihren Durst wo anders.
Nun sind wir 3000 km zusätzlich gefahren, haben fünf Mal die Grenze überquert, fünf Mal unser Fleisch hin und her geschmuggelt, drei Mal botswanische Strassenabgabe bezahlt und waren acht Tage hinter unserem Fahrplan. Aber wir waren in Botswana und der Flo lief.
Weiter nach Zambia
Etwas abergläubisch hatten wir unseren Lieblingscampsite in Francistown (Woodlands) rechts liegen lassen, da wir von dort schon zweimal nach SA zurück mussten und fuhren bis Elephant Sands. Von da ging es weiter nach Chobe Mopani Forest, das kurz vor Kasane liegt. Wir bogen auf die Zufahrtstrack ein, der nach der Regenzeit ziemlich holprig war. Nach ein paar hundert Meter meldete sich der Flo mit einer Fehlermeldung «Getriebeschaden». NEIIIIIN!!!! Häbi resettierte den Fehler, Batterie Minuspol entfernen, warten, weiterfahren. Ohne weitere Probleme schafften wir es zur Lodge. Telefonisch diskutierten wir die Situation mit unserem Lieblingswerkstattchef, Walter, der meinte, weiterfahren und er bete.
Auch in Mopani Forest waren die Tiere spärlich und nur vom Hörensagen existent.
Nach einem Ruhetag ging es weiter nach Kasane um einzukaufen. Anschliessend überquerten wir die Grenze zu Zambia. Einfach und problemlos, bis auf das Bezahlen der verschiedenen zambesischer Gebühren. Der Zoll hat ein neues computerbasiertes System installiert. Leider ging die Benutzertauglichkeit vergessen. Da gewisse Gebühren in US$ andere in Kwatchas bezahlt werden müssen, stehen dort zwei Terminals, in denen der Fahrer seine identischen Daten eingeben muss. Dann darf er aus gefühlten hundert Fahrzeugkategorien die richtige auswählen, drei Mal einen Index eingeben (1, 2026, irgendwas) und bekommt nach erfolgreichem Abschluss auf beiden Terminals eine lange Nummer präsentiert, die er händisch auf zwei verschiedenen Bezahlterminal eingibt und dann bezahlt. Wir hatten Glück und unser «persönlicher Customs Officer» lotste uns durch die verschiedenen Schritte. Nach einer knappen Stunde waren wir wieder auf der Strasse.
Unser nächster Stopp Livingstone war nur eine knappe Stunde entfernt. Nach erfolgreichem SIM-Kartenkauf erreichten wir die Lodge und genossen den Nachmittag am Zambesi. Am nächsten Morgen besuchten wir wieder einmal die Victoriafälle. Lagen sie das letzte Mal auf der zambesischen Seite völlig im Trockenen, donnerten dieses Mal gewaltige Wassermassen herunter und generierten eine dichte Gischt Wand. Häbi meinte, er müsse noch schnell über die kleine Brücke rennen um eine optimalere Stelle zum Fotografieren zu erhalten. Ausser einer Volldusche hat es nicht viel gebracht.
Erfrischt fuhren wir Richtung Lusaka.Um die verlorenen Tage aufzuholen liessen wir den Kafue NP links liegen. Unser Gorillatreckingtermin in Uganda war schliesslich fix und das wollten wir uns unter keinen Umständen entgehen lassen.
Wir erreichten Lusaka ohne weitere Probleme und dankten Walter für seine Unterstützung, der Getriebefehler war sicher nur ein Falschalarm gewesen. Der gepflegten Lukasa Campsite war unsere Basis für ein paar Tage. Der Flo wurde gereinigt, die Wäsche gewaschen, der Weinkeller aufgefüllt, die COMESA Versicherung für die nördlichen Länder beschafft und Häbi holte sich an derselben Kreuzung die obligate Busse. Dieses Mal fuhr er auf der linken Spur und bog auch links ab, was mit einem Überfahren des Rotlichts, obwohl es keine Lichtsignalanlage hatte, geahndet wurde. Die Polizistin konnte zwar nicht zeigen, wo das Rotlicht stehe, bestand jedoch auf der Busse von 6000 Kwatcha, gefolgt von einem «make me an offer». Häbi gab ihr die 500 Kwatchas die er mithatte, und wir fuhren weiter.
Nach drei Tagen ging es auf der Great North Road Richtung Tansania. Die Strasse hatte seit unserer letzten Fahrt vor zwei Jahren etwas gelitten, die Potholes hatten sich vermehrt und vergrössert, war aber noch ganz ok zum Fahren. Auf den ersten 200 km wird die Strasse auf vier Spuren ausgebaut, die zum Teil mit abenteuerlicher Verkehrsführung freigegeben waren. Nach einem Teilstück mit Rechtsverkehr gab es einen epischen Stau bei der Rückführung zum Linksverkehr. Die hilflosen Männchen mit ihren roten und grünen Flaggen winkten wild, unbeachtet von den Trucks, die sich einfach irgendwie auf die andere Seite quetschten.
Wir legten wieder einen Zwischenstopp in der Fika Lodge ein. Mutinondo war unser nächster Halt, wo wir einen Tag in den Granithügeln verbringen wollten. Auf der Zufahrtsstrasse pingte es wieder: «Getriebe defekt»!!! NEIN!!! Wir krochen noch bis zum Campsite und kassierten dabei noch zwei weitere Getriebe-Fehlermeldungen.
In dieser Nacht schliefen wir schlecht, sogar sehr schlecht. Schaffen wir die 25 km Sandstrasse zurück bis zur GRN? Sollten wir zurück nach Lusaka oder es weiter Richtung Tansania versuchen? Müssen wir abgeschleppt werden? Wenn ja, wohin??
Mit nur zwei Fehlermeldungen schafften wir es zurück auf die Great North Road. Obwohl das Getriebe ohne hörbare Probleme lief, auch die Difflocks und die Untersetzung funktionierten, beschlossen wir nach Lusaka zurückzufahren.
Glücklicherweise war es Samstag und es fuhren weniger Lastwagen. Auf dem schmalen einspurigen Asphaltabschnitt konnten wir uns einem LKW-Zug anhängen, der vor uns die Strasse leerfegte. Sonst waren wir im «Kriechmodus» unterwegs, um so wenige Fehler wie möglich zu erzeugen Auf unserem Weg zurück zur Fika Lodge überholte uns ein Camper und hielt vor uns an. Sie kamen aus Uganda und hatten seit zwei Monaten keinen anderen Camper mehr gesehen und wollten sich austauschen. Welche Überraschung, es waren Sarbari und Andreas, die wir vor einem Jahr bereits in Onrus kennengelernt hatten. Sie begleiteten uns bis Lusaka. Mit zwei weiteren Fehlermeldungen erreichten wir die Fika Lodge und am nächsten Abend waren wir zurück in Lusaka (7 Fehlermeldungen).
Und wieder einmal standen wir bei Iveco. Wir konnten die Fehler auslesen. Leider waren diese nicht sehr aussagekräftig: «Probable electromagnetic interference».
Iveco meinte, es könnte an der Erdung liegen und sie begannen zu schrauben. Dreimal schickten sie uns auf die Probefahrt und drei Mal kamen wir mit dem Fehler zurück. Bei der letzten Probefahrt knallte es noch im Gebälk, was der mitfahrende Mechaniker als ein Problem im Stossdämpfer abtat. Wir kehrten auf den Campsite zurück und begannen unsere Alternativen zu überprüfen.
Mit dem Flo nach Uganda zu fahren stand nicht mehr zur Debatte. Unser Gorillatrackingtermin war jedoch immer noch machbar. So suchten wir Lösungen ab Nairobi mit einem Mietcamper. Wir stellten Anfragen und suchten Fluglösungen. Die Ebolazahlen, die am nächsten Morgen veröffentlicht wurden, liessen uns vor der Mietcamperlösung Abstand nehmen. Zu gross war für uns die Gefahr, dass die Nachbarländer die Grenzen zu Uganda ebenfalls schliessen würden. So verschoben wir schweren Herzens unser Tracking und waren jedoch positiv überrascht, dass dies kostenlos möglich war. Unser Plan stand nun fest, zurück nach Pretoria. In langen Etappen ging es direkt nach Livingstone (2 Fehler), Elephant Sands (6 Fehler), Palapye (20 Fehler auf der etwa 100km langen Baustelle) und von dort nach Pretoria (8 Fehler). (Übrigens neuer Grenzrekord: 14 Minuten für beide Seiten inkl. WC-Stopp)
Und so standen wir wieder einmal bei Walter, liessen einen kleinen Service durchführen, da wir doch schon 10’000km zurückgelegt hatten. Das Auslesen der Fehlerliste brachte nicht viele neue Erkenntnisse. Eine der Fehlermeldungen liess auf die hydraulischen Schaltungsventile im Automatikgetriebe zum Schnäppchenpreis von CHF 3000 schliessen, Schluck!
Am Abend kam der Ivecoelektriker, stand eine halbe Stunde in der Grube, und meinte dann: «Es ist ein Erdungsproblem». Die Schweissnaht beim linken Aufliegepunkt der Fahrerkabine war gerissen (was auch die hässlichen Knallgeräusche erklärte). Der Computer, der das Getriebe überwacht, nimmt seinen Ground über die Fahrerkabine vom Aufliegepunkt.
Wir verbanden den Groundpunkt direkt mit dem Minuspol der Batterie und begaben uns nachts auf eine Probefahrt. Gar nicht so leicht, die Potholes in der Dunkelheit zu finden. Ohne Probleme kehrten wir zurück. Die Probefahrt am nächsten Morgen verlief ebenfalls erfolgreich. Die gebrochene Verbindung wurde geschweisst und die beiden vorderen Stossdämpfer noch ersetzt. Nun sollte der Flo wieder voll einsatztauglich sein, oder nicht?
Wir verbrachten noch zwei Tage bei unseren Freunden Leonie und Wimpie, die uns während der Reparatur grosszügig Unterschlupf und moralischen Beistand geboten hatten und planten die weitere Reise. Uganda und Kenya waren weg, zu weit, wir mussten kleinere Brötchen backen.
So endete hier unser Nicht-Trip nach Uganda, der uns mit gefahrenen 10’000km nur 1500km weit gebracht hat.
Murphy ist kein willkommener Reisegenosse. Wir hätten liebend gerne auf ihn verzichtet.
























































